Man darf davon
ausgehen, dass ursprünglich unser gesamtes Gebiet bewaldet
war, hauptsächlich durch Buchen- und Eichenwald. Bis zum
Zeitpunkt der Gründung des Amtes Kirberg dürfte die
Gemarkung durch Rodung bereits unser heutiges Aussehen erhalten
haben. Der Wald beschränkte sich dabei auf die
landwirtschaftlich nicht nutzbare Fläche. Dieser Wald um
Kirberg gehörte vor Zeiten allen Einwohnern, die über
eine Liegenschaft im Flecken verfügten. Er war zusammen mit
den Ohrenern und den Ketternschwalbachern gemeinschaftlich
bewirtschaftetes Allmendegut, was Eigentum des Grundes wie auch
Nutzung dieses Waldes umschloss. Einzig und allein der Steinsche
und der Spechtsche Hof zählten ganz kleine Waldflächen
zu ihrem privaten Besitz. (...)
Heute hat die
Waldwirtschaft im Wirtschaftsleben des Flecken ihre Bedeutung
verloren. Der Wald dient zum Großteil der Bevölkerung
als Erholungsgebiet und zur Freizeitgestaltung. Wer heute das
Waldgebiet durch Spaziergänge, Wanderungen oder Radfahren
erschließt und mit offenen Augen die Gegend erobert, stößt
auf oft eigenartige Erscheinungen. So befinden sich im Distrikt
Eichelgarten eine Eiche und im Distrikt Berg eine Buche, die im
Volksmund als „Toreiche“ und „Torbuche“
bezeichnet werden. Beide alten, große Bäume entsprießen
aus jeweils zwei verschiedenen Wurzelstöcken und die beiden
daraus aufragenden Stämme wachsen einige Meter über dem
Erdboden zu einem einzigen Stamm zusammen, der in einer mächtigen
Krone endet. Durch die torähnliche Öffnung zwischen den
beiden unteren Stämmen kann bequem ein ausgewachsener Mensch
gehen.
(NK);
Quelle: Saalbuch, Archiv Flecken Kirberg |
Die Torbogeneiche - ganz natürlich sind hier zwei Bäume
zu einem Stamm zusammengewachsen. Am Bierhausweg von Kirberg aus
kommend auf der linken Seite findet man die Torbogeneiche in der
Abteilung 109, kurz vor der Wegkreuzung. (Der Bierhausweg ist die
Verlängerung des Weges vom Kirberger Sportplatz aus).
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Waldspaziergang in
unserem Gemeindewald
Erster Waldspaziergang
(...) In
den Abteilungen 102/104, Distrikt Berg quillt der Rahlbach und
nimmt seinem Lauf durch Abteilung 109, Distrikt Oberer
Eichelgarten. Das Wasser rinnt von Abteilung 107, Distrikt Unner
nach Kirberg.
Wir stehen vor dem Ketternschwalbacher Pfad,
er führt durch Abteilung 102, Distrikt Berg nach Abteilung
101, Distrikt Berg und weiter bis zum Grenzweg. An Abteilung 101,
Distrikt Berg angekommen, führt der Weg zwischen den
Abteilungen 101 und 102, Distrikt Berg links zur B 417, rechts in
die Abteilungen 103 und 104, Distrikt Berg und weiter zur
Abteilung 105, Distrikt Hochwurzel. – Man sollte an dieser
Stelle erwähnen, dass überall in Hessen die ersten
Abteilungsnummern und Distrikte im Südosten einer Gemarkung
anfangen. – Gehen wir nach links zur „Torbuche“.
Sie befindet sich in Abteilung 101, Distrikt Berg, etwa 150 Meter
von der B 417, nach rechts achtzig Meter ins Bestandsinnere. Die
„Torbuche“ ist etwa 250 Jahre alt.
Querbeet
gegen Süden kommen wir an den Grenzweg; wir gehen rechts nach
Westen bis zum Ende der Abteilung 101. Wir sehen Gasschieber im
Boden, somit sind wir in Abteilung 103, Distrikt Berg angelangt,
ein Laubholzmischbestand mit Gruppen von Nadelholz. Wir gehen nach
Norden, an die Kreuzung der Abteilung 101/103/102/104 am
Mittelpunkt der Distrikte Berg angekommen. In Abteilung 102 finden
wir einen hundertjährigen Fichtenbestand. In Abteilung 104
treffen wir auf Laubholz mit Nadelholzmischbestand, etwa vierzig
bis fünfzig Jahre alt. Am Ende des Krieges wurden in den
Beständen in Abteilung 101/102/103/104 sowie in Abteilung
106, Distrikt Hochwurzel einige tausend Raummeter Holz für
Städte wie Wiesbaden, Groß-Gerau und Frankfurt
eingeschlagen. An der Wasserstelle in Abteilung 104 holten die
Waldarbeiter bei heißer Witterung Wasser zum Trinken. Kalt
und nass war die Stelle, noch kein Baum wuchs hier. Es wurden
Sickergräben angelegt, um das Wasser fortzuführen. Nach
kurzer Strecke versank das Wasser – die Quelle des
Rahlbachs. Diese Stelle wurde von den Waldarbeitern die
„Hoferquelle“, nach einem Waldarbeiter Hofer, genannt.
Etwa achtzig Meter nach Westen, fünfzehn bis dreißig
Meter nach Norden von der Südseite von Abteilung 104, entlang
unseres Weges, verläuft die Ruhrgas-Fernleitung nach
Rüsselsheim. (...)
Zweiter
Waldspaziergang
Wir gehen auf dem „Bierhausweg“
– am Anfang des Weges stand früher eine Bierbrauerei –
in den Wald. (...)
Wir gelangen an die Kreuzung Abteilung
110/113 mit Abteilung 109 und Abteilung 112, Distrikt Obere
Wachhecken. Hier steht ein 100- bis 140-jähriger Bestand, der
durch Sturmwurfschäden total aufgerissen wurde. Die
Jungbestände sind stellenweise zu sehen mit Fichte, DGL,
Tanne, Eiche, JLA, Buche (25 bis 30 Jahre). Der Boden ist feucht
mit flachen Steinen, teils flachgründig versetzt. Links haben
wir die Abteilung 109, Oberer Eichelgarten, die vom Westen her
stark durch Sturmwurfschäden aufgerissen ist. Hier finden wir
sechzehn registrierte Hünengräber in verschiedenen
Größen mit Durchmessern von 6 bis 32 m. Das größte
davon hat von Osten her einen Einschnitt (Graben) von 8 bis 10 m
Länge und einer Breite von maximal 2 m. Man nimmt an, dass
dies eine Kultstätte aus der Zeit von etwa 3000 bis 5000 v.
Chr. ist.
Bevor wir an die Kreuzung der Abteilungen 109/112
mit 104/106 kommen, sehen wir vom Bierhausweg aus, etwa 100 Meter
vor der Kreuzung, rechter Hand die „Torbogeneiche“.
Der schwächere Teil dieser Eiche ist bereits abgestorben. Ab
der Kreuzung haben wir links die Abteilung 104, folgend die
Abteilung 103, Distrikt Berg mit der höchsten Erhebung am
Grenzweg (vom Bierhausweg aus in Richtung Osten). Der geometrische
Punkt befindet sich 366 m über NN. Oftmals wird jedoch
erklärt, die Abteilung 105, Distrikt Hochwurzel sei der
höchste Punkt in der Gemarkung. Rechts haben wir die
Abteilung 106, folgend die Abteilung 105, Distrikt Hochwurzel. Die
Abteilung 106 weist einen Laub- und Nadelholzmischbestand auf. Die
Abteilung 105 zeigt Kiefern und Lärchen, ein 130-jährigen
Altbestand, und einen Unterbestand mit 100-jährigen
Buchen.
Wir gehen zurück zur Kreuzung und von dort
nach Westen, Richtung Nauheimer Wald, bis zur Kreuzung Abteilung
106/112 mit 114, Distrikt Urhaag. Dort gehen wir nach Norden;
links befindet sich die Abteilung 114, ein 170-jähriger
Kiefernbestand mit Laubholz als Unterstand. (...)
(BA);
Abkürzungen: DGL = Douglasie; JLA = Japanische
Lärche
Auszüge aus dem Heimatbuch „Kirberg
Einst und Jetzt“ zum Jubiläum „650 Jahre Amt und
Flecken Kirberg", Kirberg 2004 / Autoren: Kurt Nigratschka
(NK), Arnold Badstieber (BA)
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